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Letzte Aktualisierung: 09.02.2011
Home Poker Games unterscheiden sich häufig signifikant von gewöhnlichen Online- oder auch Casino-Spielen. Die Spieler „machen“ bekanntlich die Tische und bei Home Games sind die Tische allgemein etwas looser und wilder, weil der Anteil verschiedener Spielertypen höher ist. Wir möchten das umfangreiche Thema Home Games in diesem Artikel ausführlich beleuchten und hilfreiche Tipps für (neue) Gastgeber, als auch Tricks sowie Strategien für Sie in der Rolle des Rounders zur Verfügung stellen.
Wir gehen von einem Home Game bei einem Poker Buddy aus, d.h. es kommen insgesamt 9 Spieler von denen Ihnen 3 bereits vom Live Poker bekannt sind, der Rest sind Fische, Stranger, Villains oder Live-Anfänger mit etwas Online-Erfahrung im Freeroll und Mikro Limit-Bereich. Neben den semi loose aggressiven Buddies ist der Anteil schwacher und unerfahrener sowie auch tighter und lesbarer Spieler zumeist höher, für gewöhnlich wird perflop und am Flop auch mehr gecallt und eine höhere Aggressivität an den Tag gelegt – insbesondere wenn der Aggressor denkt, dass er vorne ist oder ein hohes Pocket bzw. Overpair hat. Problematisch bei Home Games können manchmal die unbekannten (und aggressiven / nicht lesbaren) Gegner werden, denn gegen Ihre Buddies sollten Sie bereits ausreichend Erfahrungen gesammelt und damit ein gutes Waffenarsenal aufgebaut haben.
Bevor die Partie losgeht sollten Sie mit dem Gastgeber oder anderen Spielern ein paar Small und Poker Talks gehalten haben, d.h. es empfiehlt sich möglichst früh am Ort des Geschehens zu sein um viele Informationen aufnehmen zu können. Aufmerksame Spieler reden mit (unerfahrenen) Gastgebern auch über die üblichen Hausregeln (z.B. Misdeals, String Bets, Chips-Wertigkeit, korrektes Mischen, Burning Cards, Straddle etc.) und Sonderfälle die vorher festgelegt werden müssen. Weiterhin sollte eine verlässliche „Bank“ bestimmt werden, d.h. ein Spieler hortet das Geld irgendwo bei sich und gibt auch neue Chips aus sowie zahlt die Spieler (am Ende) aus. Um späteren Beef zu vermeiden sollte auch eine Uhrzeit festgelegt werden, bis zu der die Partie auf jeden Fall planmäßig laufen soll. Nach einem evtl. Cashout und Abgang von einigen Leuten sollten zumindest noch 4-5 Spieler am Tisch sein damit die Partie für alle noch attraktiv ist.
Zu Beginn der Runde steht das Seating an, wobei man sich bei vielen Gastgebern einfach da hin setzt wo es einem beliebt, bei anderen wird dagegen gelost und bei einigen sind Plätze auch für bestimmte Spieler reserviert. Da Sie sich im Vorfeld bereits über einige Gegner informiert haben, können Sie diese Informationen nun in Ihre Platzwahl mit einfließen lassen. Die Gewinne kommen bei Texas Hold‘em bekanntlich von den schwachen Spielern und meistens von rechts, d.h. Sie sollten dort Stranger, Villains und Calling Stations sitzen haben und Ihre Buddies am besten 3 bis mehr Positionen weiter dahinter oder bzw. gegenüber - tighte, lesbare und angreifbare/ehrliche Spieler sollten links von Ihnen sitzen. Auf aggressive Spieler ist es immer besser Position zu haben, falls dies nicht der Fall ist haben Sie immerhin ein höheres Auszahlungspotential durch Check-Raise Möglichkeiten.
Bevor der erste Flop gedealt wird sollte das Deck zunächst auf Vollständigkeit und auf Markierungen geprüft werden, denn selbst eine der teuren Plastikkarten hat es schneller erwischt als einem lieb ist. So eine Kontrolle bietet sich alle 1-2 Stunden an, da eine Karte z.B. auch schnell mal versehentlich unter den Tisch fallen kann. Als nächstes gilt es den eigenen Chipstand gemäß Buy-in zu kontrollieren und sich über die eingekauften Stacks der Gegner zu informieren. In der Regel sollten Sie sich als Big Stack mit 100 Blinds einkaufen, bei knapper Kasse oder Unsicherheit auch mit 50 aber nie als Shortstack Gambler mit 20 oder weniger Blinds, zudem sollte Ihr Portemonnaie zumindest 1-2 Rebuys verkraften können.
In der ersten Stunde geht es darum die Spielweisen der unbekannten Gegner zu analysieren und selbst ein gewisses „tight ehrliches“ Image aufzubauen. Bei Ihren erfahrenen Buddies werden Sie aber wahrscheinlich weniger Eindruck schinden können. Hierbei können die Faktoren Prestige, Respekt und Blamieren (später) eine größere Rolle spielen als Ihnen lieb ist, Sie müssen jederzeit mit Bluffs, Ugly Moves und Hero Calls Ihrer (besseren) Kumpels rechnen. Am Anfang sollten Sie daher erstmal semi tight spielen damit Sie den Tisch beobachten können und auch potentiell leichte Entscheidungen gegen unbekannte Gegner haben, sowie ggf. verdoppeln können was das Optimum wäre da Sie dann als Big Stack früher den Bully spielen können. Sie sollten anfänglich auch versuchen einige günstige Flops in Position anzuschauen und später dann mit steigendem Stack semi loose aggressive mit vielen 3Bets spielen, z.B. im Bereich 25/20/10 (VPIP/PFR/3Bet).
Angenommen Sie konnten nach den ersten 2 Stunden Ihren Stack auf 175 Blinds vergrößern und die Sitzposition hat sich als potentiell profitabel rausgestellt. Den Tisch haben Sie mit ihrem semi tight aggressiven Stil im Bereich 20/15/5% größtenteils im Griff, nur 2 unbekannte Spieler stören Sie etwas bei Ihrem Spiel. Einer sitzt direkt links neben Ihnen und Sie hatten schon einige nervenaufreibende Battle of the Blinds mit ihm da er seinen Big Blind nie aufgeben wollte und oft sogar preflop nochmal drüber gegangen ist. Der andere Spieler 2 Positionen rechts ist ebenfalls aggressiv und spielt gefühlt 80% seiner Hände, aber keiner der Mitspieler will den Sheriff spielen und er sitzt nun mit 300 Blinds am Tisch, die er häufig mit verteilten Bad Beats erluckt hat.
Es ist nun empfehlenswert die eigene Strategie sowie die Vorgehensweise gegen spezifische Gegner zu hinterfragen und anzupassen. Folgerichtig gilt es hier Rezepte gegen den loosen Maniac rechts und den unbequemen aggressiven Spieler links zu finden, also z.B. mehr auf Pot Control und Isolation gegen den Maniac spielen und gegen den Big Blind preflop mehr folden und 4betten. Solche Anpassungen sollten optimalerweise „fließend“ erfolgen, daher sind Showdown-Hände wo Sie selbst nicht involviert sind sehr wichtig um sich ein besseres Bild von den Gegnern machen zu können. Achten Sie jedoch darauf nicht den Lehrer zu spielen und schlechte Spielweisen anderer zu kommentieren, ziehen Sie Ihre Lehre besser im stillen Kämmerlein und erweitern Sie das Waffenarsenal gegen diese Spieler. Für gewöhnlich sollten Sie für jeden Gegner mit der Zeit diverse Standards definiert haben, d.h. in welchem Fall Sie preflop und am Flop welche Hand benötigen. Falls Sie draußen mal eine Pause machen und frische Luft schnappen wollen, den Ort des Geschehens aber nicht besonders gut kennen oder einige Spieler nicht gerade vertrauenserweckend erscheinen, sollten Sie zwischenzeitlich bzw. einige Zeit vor Verlassen des Raums routinemäßig und unauffällig Ihren Chipstapel kontrollieren.
Mit der Zeit werden auch zunehmend Rebuys getätigt und das Geld im Pot kann bis zur Nacht bzw. am frühen Morgen auf ein Vielfaches der anfänglichen Buy-Ins angestiegen sein. In der Folge werden entweder die Blinds angehoben (z.B. verdoppelt) oder von den Spielern quasi ignoriert, indem z.B. ein 10facher Raise zum Standard wird weil die meisten Spieler recht viele Chips vor sich haben und ein 3facher Raise niemanden mehr zum Preflop Fold bewegen würde.
Für gewöhnlich gehört es bei Home Games zur Etiquette, dass man sein Aussteigen (insofern man im Plus ist) zumindest einen Orbit oder 15 Minuten vorher ankündigt. Weiterhin sollte man sich nicht zu sehr über Hände oder Gegner echauffieren oder verbal bzw. gestikulierend ausrasten, weil man sich damit kein gutes Image für ein Wiederkommen aufbaut und dadurch auch seinem eigenen Spiel schaden würde.
Falls man bis zum Ende der Partie dabei ist und quasi als Letzter auszahlt kann das passieren, was bei Home Games häufiger vorkommt als es dem Gastgeber oder den Spielern lieb ist: es ist weniger Geld im Pot als Chips am Tisch. Die Suppe ist nun versalzen und Gastgeber sowie Spieler müssen nun ihre Lehren daraus ziehen…Prävention lautet das Stichwort, sonst können später auch Freundschaften zerstört werden. Die verlässliche Bank ist für die Chips und das Geld verantwortlich, jedoch müssen alle Spieler stets ihre Buy-Ins, Rebuys und Cashouts selbst kontrollieren. Der Gastgeber (oder alternativ der erfahrenste) Spieler ist für die Einhaltung der Hausregeln verantwortlich und spielt den Floor Manager.
Nach den Cashouts bleibt häufig ein kleiner „krummer“ Betrag übrig und einige Spieler haben noch einige Euros in Chips draußen. Hier bietet sich dann eine abschließende Gambling Variante an, bei der der Gewinner das gesamte Restgeld bekommt: „2 aus 4“! Jeder Spieler sollte ungefähr gleich viel Geld in den Pot eingezahlt haben (ansonsten Münzgeld nachschießen) und erhält dann 4 Karten facedown, von denen er 2 seiner Wahl behält, der Rest wird entsorgt. Dann legen alle Spieler gleichzeitig eine beliebige Karte faceup auf und der Flop wird normal gedealt. Zur höheren Spannung deckt nun jeder Spieler nacheinander und im Uhrzeigersinn vom Geber seine 2.te Karte auf, danach wird abschließend normal bis zum River gedealt. Der Spieler der als erstes 3 „Chips“ erhalten also 3 Runden gewonnen hat, bekommt das gesamte Restgeld aus dem Pot.
Wir wünschen Ihnen abschließend viel Vergnügen bei Ihrem nächsten Home Poker Game, vielleicht besorgen Sie sich ja auch mal einen Pokertisch und laden ein paar Buddies zu einem Home Game ein? Wir hoffen Ihnen mit den Tricks für Gastgeber und Tricks für Spieler einige wertvolle Ratschläge mit auf den Weg gegeben zu haben, damit Sie die oftmals loosen und wilden Home Cashgames häufiger als Gewinner verlassen werden. In jedem Fall sollte sich dadurch der Spaßfaktor für alle Beteiligten erhöhen…Shuffle up and deal!
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