In den letzten Jahren sind mehrere legale aber auch illegale Software Programme für die Online Pokerräume entwickelt worden die Cheating ermöglicht haben und die teilweise für Aufregung gesorgt haben und später von vielen Pokerseiten auf die Blacklist gesetzt wurden. Geschickte Hacker finden jedoch oft Mittel und Wege um die Pokersoftware auszutricksen oder Trojaner bei anderen Spielern einzuschleusen – andere Cheater setzen sich z.B. zu zweit an einen Tisch und versuchen durch Absprachen das Geld der anderen Spieler zu ergaunern. Kann Cheating die positive Entwicklung von Online Poker beeinflussen oder gar gefährden?
Poker Bots sind heutzutage Realität geworden, auch wenn viele Spieler sie auf den ersten Blick nicht erkennen oder wahrnehmen können. Die meisten Bots sind an niedrigen Fixed Limit Hold’em Tischen zu finden, des Öfteren auch im Heads-up Cashgame. Poker Bots für No Limit oder Turnier Hold’em sind derweilen rar gesät, weil deren Programmierung eine kaum realisierbare Mammut-Aufgabe ist. Die führenden Pokerseiten sehen die Bots mittlerweile als Gefährdung für ihr Business an und investieren daher vehement in die Sicherheit der Sofware um das Aufspüren von Bots und anderen auffälligen Spielern zu gewährleisten. Früher oder später dürfte jeder Bot gefunden werden und das Katz und Maus-Spiel beginnt von vorne – allerdings hat der Anwender dann oft keinen Account mehr…
Einer der bekanntesten Poker Bots ist WinHoldem, der selbständig spielen und individuell programmiert werden kann. Auf der Website gibt es sogar eine Stealth-Anleitung um die Security der Pokerseiten auszutricksen, welche das Programm verboten haben. Es ist obligatorisch anzumerken, dass der Einsatz dieser Software hier zu lebenslanger Sperre und Einbehalt aller Gewinne führt. Ein sehr guter Spieler (also eher die Minderheit) könnte WinHoldem tatsächlich fast so gut programmieren wie er auch selbst spielt und damit auf den niedrigen Limits einige Euro pro Stunde einfahren ohne am Rechner sitzen zu müssen.
Für ein langfristig erfolgreiches Spiel sind jedoch weitaus mehr Faktoren von Bedeutung wie die auf den Bot übertragbare „Technik“ des Pokerns - z.B. Stil-Entscheidungen, Feeling-Situationen oder gezielt angewandte Erfahrung. Diese Faktoren gelten insbesondere für Turnier und No Limit Hold’em – wo für die ehrlichen Spieler eher die Gefahr von Absprachen (auch Collusion genannt) besteht.
Collusion bedeutet eine illegale Absprache zwischen mindestens zwei Spielern an einem Poker Tisch. Dabei benutzen sie Telefon, Messenger oder Skype um in Kontakt zu bleiben und die Gegner durch Informationsvorteile (mehr Karten = genauere Odds) oder Manöver (Squeeze Play) auszuspielen. An einem shorthanded Tisch können diese Umstände einem schwachen Spieler schon das Genick brechen. Der aufmerksame Spieler sollte jedoch keine Probleme haben auffällige Collusion zu erkennen, also z.B. wenn sich in Multiway-Pots permanent dieselben Spieler reraisen um die anderen rauszudrängen und dann schwache Hände im Showdown zeigen.
Doch was können Sie gegen potentielle Collusion Spieler unternehmen? Zunächst sollten Sie von der Player Notes-Funktion Gebrauch machen um diese Spieler zukünftig leichter meiden zu können. Im Chat sollte man diese Spieler nicht unbedingt des Betrugs bezichtigen, da sie dann vorgewarnt sind und vorsichtiger agieren würden. Zudem könnten Sie dann womöglich selbst als Flamer oder Tilt Loser dastehen – ohnehin wird das Chatgerede von Spielern und Publikum nicht gerade ernst genommen. Wenn Sie einen berechtigten Verdacht auf Betrug haben sollten Sie einen Screenshot machen (Druck-Taste und dann bei Paint einfügen) und die entsprechenden Hand Histories aus dem lokalen Ordner rauskopieren oder sich senden lassen. Danach schicken Sie eine Email an den Anbieter um eine Untersuchung zu veranlassen die zur Sperrung oder Verwarnung der Spieler führen wird.
Falls Ihnen das nächtliche Cash Game also wie ein Kuriositätenkabinett vorkommt, verlassen Sie lieber den Tisch und suchen sich einen anderen Tisch oder sogar Anbieter aus – diese Flexibilität ist mit Sicherheit einer der größten Vorteile beim Online Poker!
Kuriositäten am eigenen PC werden üblicherweise oft von Trojanern, Malware, Würmern etc. verursacht und sind standardgemäß mit einem stets aktuellen Virenscanner, Anti-Spyware und einer Personal Firewall zu bekämpfen. Wenn jedoch unbemerkt ein Poker Trojaner auf Ihrem PC installiert wurde, werden Sie es wohl erst dann merken wenn Sie permanent kuriose Hände gegen dieselben Spieler verlieren – es ist wahrscheinlich auch nicht schwer einen Gegner auszunehmen wenn man dessen Karten kennt!
Dieser „Traum“ eines jeden Pokerspielers reizt natürlich viele unseriöse Websites entsprechende Angebote zu gestalten („Mit unserer Software sehen Sie die Karten des Gegners“), während sich dahinter nur Scam, Spyware, unnütze Software oder Freeware verbirgt für die man dann überflüssigerweise seine Kreditkarte belastet hat – also fallen Sie auf keinen Fall auf diesen Schindluder rein! Falls so eine „kommerzielle“ Software wirklich funktionieren sollte, würde schon längst jemand verklagt worden sein und der Skandal in der Presse bzw. im Internet breit getreten werden.
Es existieren jedoch Cheat-Programme mit denen jeder Spieler der diese Software installiert hat die Karten der anderen im Bunde sehen kann, wobei natürlich auch die eigene Hand preisgegeben wird. Je mehr solcher Anwender an einem Tisch sitzen desto sinnloser wäre dieser Informationsaustausch jedoch, weil es ja auch (fremde) Verlierer geben muss und sich neun Spieler nicht das Geld eines Shortstacks teilen wollen. Was die Programmierer der Plattform mit den Informationen machen wird wohl auch ein Geheimnis bleiben, sie könnten diese sogar direkt gegen die User verwenden indem angeheuerte Spieler die Informationen nutzen ohne ihre eigenen Karten preisgeben zu müssen.
Es hat mal Gerüchte gegeben dass der schwedische Highroller Mohammad Kowssarie (Nicknames: The Terrorist, Terror of Sweden, Fast Freddie) in Zusammenarbeit mit einem russischen Programmierer einen Trojaner bei Poker Stars wie Phil Ivey, Mike Matusow, Gus Hansen und Howard Lederer installiert haben soll um dann gegen diese Spieler erhebliche Beträge zu gewinnen. Angeblich hätten sie ein Sicherheitsloch beim MSN Messenger genutzt um den Trojaner einzuspeisen. Es konnte jedoch nie etwas in dieser Richtung bewiesen werden, was The Terrorist aber nicht davon abgehalten hat einen der größten Pötte der Online Poker-Geschichte zu gewinnen: $465.000 mit AJ und Trips Aces gegen „bad_ip“ Johhny Lodden.
Halten Sie sich also besser fern von diesem gefährlichen Terroristen und meiden Sie den intensiven Gebrauch von MSN Messenger oder anderen unsicheren Programmen mit bekannten Sicherheitslücken. Präventiv sollten Sie in erster Linie vorsichtig beim Download und Installieren von unbekannten Dateien, dem Besuch von windigen Websites und dem Öffnen von komischen Email-Anhängen sein – dann wird Ihr Erfolg zumindest nicht mehr von Cheatern beeinflusst, sondern liegt wahrscheinlich in den Händen von Lady Luck! ;-)
Cheating kann die Entwicklung von Online Poker ohne Zweifel gefährden – der aufmerksame Spieler kann jedoch aktiv und passiv seinen Teil zum Erhalt der Fairness beitragen während die Pokerseiten rigoros gegen Bots und Collusion Spieler vorgehen müssen.
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