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Poker Forum - Aggresives Spiel : Allgemeines

Aggresives Spiel

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Aggresives Spiel

Beitragvon Lisa 1991 » Montag 16. März 2009, 18:51

Hey,

vielleicht kennt ihr Tom "durrrr" Dwan und seinen hyperaggressiven Spielstil. Was mir auffällt, ist dass er oft sehr große Pots gewinnt, wenn er mal eine Hand hat. Inzwischen frage ich mich, ob sich Pot Odds und solche theoretischen Überlegungen überhaupt in der Praxis bewähren (lacht jetzt nicht sofort los, Dwan spielt massiv gegen die Odds und macht große Gewinne).
Der Grundgedanke ist dabei folgender (alles zwei-Spieler-Situationen): Nehmen wir an, jemand hält zwei Herzen und im Flop liegen ebenfalls zwei Herzen. Er hat also ungefähr 36% Wahrscheinlichkeit, seinen Flushdraw zu vervollständigen. Wir nehmen mal an, dass er mit dem Flush auch gewinnen würde. Die Pot Odds sagen jetzt, dass er langfristig nur eine positive Gewinnerwartung hat, wenn er bei einer 1/3 Chance den Pot zu kriegen logischerweise nicht mehr als ein drittel des Pots einzahlt.
Nehmen wir an, durrrr hat das Gefühl, dass sein Gegner eine schlechte Hand hat. Er geht All-in um den Gegner zu vertreiben. Der Gegner callt aber.

Sagen wir, durrrr ist mit 2000$ all-in gegangen(mit dem 2000$ Call seines Gegners und bereits gezahlten 1000 im Pot also 5000$). Langfristig gehört ihm ein Drittel des Pots, also 1500 Dollar! Er macht langfristig also gerade mal 1/4 seines Einsatzes Verlust, weit weniger, als man auf Anhieb vielleicht vermuten würde.
Jetzt frage ich mich ehrlich gesagt ernsthaft: Ist es das denn nicht wert? Er erhält für die gezahlten 500$ folgende Vorteile:
1. Er ist absolut mega unberechenbar. Das ist, glaube ich, gegen gute Spieler sehr viel wert.
2. Er erhält durch sein aggressives Spiel eine gute Chance, den Pot sofort zu holen. Wenn bereits 1000$ im Pot sind und der Gegner nach dem All-In mit 50% Wahrscheinlichkeit foldet, gleicht nur schon die Wirkung des Bluffs die langfristig gezahlten 500$ aus. Das muss man sich erstmal ganz bewusst machen.
3. Er hat die Chance, dass er ein gegnerisches Set/two pair schlägt. Wenn er sozusagen genau dann den Flushdraw kriegt, wenn der Gegner auch gerade eine starke Hand hat (wir nehmen an, dass er beim Gegner die starke Hand sofort vermutet und weiß, dass er den Pot von 1000$ beim nächsten gegnerischen Bet aufgeben müsste), dann kann er vielleicht einen Pot retten, den er sonst nicht mit 36%, sondern mit 0% Chance gewinnen würde.
4. Er verschwendet nicht das, was jeder gute Spieler sonst (praktisch) verschwenden muss: Die Möglichkeit, dem Gegner einen üblen BadBeat zu verpassen. Solide Spieler verpassen niemandem einen BadBeat - im Gegensatz zu durrrr.
5. Außerdem denkt er stets daran, sich beim Gegner, sollte er diesen gerivert haben, höflich zu bedanken. Er tiltet sie wirklich übel und das Beste ist, es funktioniert. Manchmal sieht man Videos, wo Gegner danach mit völlig unfähigen Händen All-in gegen ihn gehen, weil sie Durrr für einen Gambler halten. Der Witz ist aber der, dass Durrrr in Wirklichkeit aber sehr gut seine Chancen abschätzt. Seine Gegner erhalten ein völlig falsches Bild von ihm und werden sein aggressives Spiel, welches immer rechtfertigt ist, in Zukunft unterschätzen und sehr viel verlieren.
6. Wenn Durrrr mal eine solide, starke Hand hat (also keinen Draw oder so, sondern etwas solides), dann kriegt er viel Action damit. Das allein macht alles wieder wett.

Wenn ich Durrrrs Gegner wäre, wie würde ich ihn nach einem glücklichen River-Sieg einschätzen können? Wann ist ein Bet rechtfertigt, wann ist er ein Bluff? Plötzlich steht man einem hyperaggressiven, vollkommen unberechenbaren Gegner gegenüber, der einen dazu zwingt, Pots mit ihm zu spielen. Was kann man jetzt tun? Wie soll man sich gegen seine Spielweise verteidigen? Es geht jetzt um schnelle, große Einsätze und das Üble ist, wenn man eine schwache Hand hat, kann Durrrr es lesen, hat man eine starke Hand, wird er einen Pot wieder aufgeben. Er zwingt seine Gegner dazu, so aggressiv zu spielen wie er selbst, wobei er auch mit hohen Einsätzen nicht gamblet. Der Gegner ist ihm nun hilflos ausgeliefert, er hat immer bereits viel in den Pot gezahlt und wird sich oft in schlechte All-Ins flüchten, die von Dwan dann gecallt werden, wenn er ihn wahrscheinlich gewinnen wird. Dwans Spiel ist gekennzeichnet von großen Schwankungen, aber er gewinnt mehr Riesenpots als er verliert und wenn sein nächste großer Raise kommt, wird man schwitzen vor Angst sein Geld zu verlieren ("Was tut der Verrückte jetzt schon wieder?"). Der Gegner foldet im falschen Moment und er geht auch im falschen Moment all-in. Nichts verrät, ob Dwan gerade einen Flush hat oder nicht, niemand kann ahnen, was als nächstes kommt.

Das heißt doch: Man kann, wenn die Situation es zulässt, mit spekulativen Händen All-in gehen, so wie Dwan es tut. Man kann mit sehr schwachen, aber potenziell sehr starken Händen bei einem großen Pot sehr gut hyperaggressiv spielen, auch gegen eine starke gegnerische Hand. Wer so spielt, kriegt dann mit soliden Händen viel Action. Erst durch sehr aggressives Spiel wird das Lesen des verängstigten, hilflosen Gegners sehr einfach und auch besonders wirkungsvoll.
Dwan zockt solide Spieler, die immer nur an ihre PotOdds denken, übelst ab. Es ist kaum zu glauben, wie schnell sie ihr ganzes Geld mit ihrem soliden Spiel gegen ihn verlieren, denn er zwängt ihnen mit seinen Raises und hohen Bets seinen Stil auf, an solides Spiel ist gar nicht zu denken. Sollte man zu seinen hohen Raises immer folden, wird er viele Pots gewinnen. Wenn man nur solide Hands spielt um seiner Aggression zu begegnen, zeigt die obige Rechnung, wie hoffnungslos das ist und wie unglaublich stärker die vielen kleinen Pots ins Gewicht fallen. Das heftige bei Dwan ist:
1. Man kann sich nicht entziehen. Wer viel foldet, wird viel verlieren, denn Dwan sorgt dafür dass man sich immer in einer Situation befindet, wo man bereits viel in den Pot zahlen musste.
2. Wer nur solide Hands spielt, wird ebenfalls viel verlieren, denn er wird auch mit Händen callen, die das Potenzial haben, solide Hände (Asse mit hohem Kicker und dergleichen) gut zu schlagen. Dadurch minimiert er den Verlust gegen solide Hände, da er mit spekulativen Händen weniger verliert, als man denken würde und kriegt mit seinen eigenen starken Händen sehr viel Action, da man als Gegner nicht wissen kann, was er gerade hat.
3. Wer sich auf sein aggressives Spiel einlässt, wird garantiert anfangen zu gamblen, da er nicht ahnt, was für eine unglaubliche Pokervirtuosität in Dwans Aggression steckt. Man wird zwar aggressiv spielen, aber nicht so gekonnt aggressiv wie Dwan und man wird sehr, sehr viel verlieren, wenn man sich auf die hohen Einsätze einlässt, denn er weiß genau, was er tut.

Ich finde diesen Spielstil zunehmend interessant (ich bin aber nicht so vermessen, zu denken dass ich ihn je lernen könnte). Er ist den absoluten Pokerkönnern und Bluff-Erkennern vorbehalten und wirkt aber auf Unwissende wie reine Lotterie, was viel Geld einbringen wird. Es ist auch viel cooler, so einem Spieler zuzuschauen, denn das Spiel ist schnell und Actionreich. Wenn ich mit ihm am Pokertisch sitzen würde, würde ich sehr schnell ratlos sein und ins Schwitzen kommen.

Was haltet ihr von dieser Art zu spielen? Es ist auf jeden Fall keine Lotterie, im Gegensatz zu dem, was Halbkönner behaupten.

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Beitragvon Maxtasy » Montag 16. März 2009, 19:25

tl;dr
Maxtasy's Pokerblog
Pokergin hat geschrieben:wieviel Leute gibts hier eigentlich die meine glohrreihcen Zitate hier schamlos benutzen ohne Lizensgebühren zu zahlen ?

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Beitragvon Lisa 1991 » Montag 16. März 2009, 19:41

OK, dann nochmal ganz kurz:

Dwan zockt Draws übelst aggressiv auch gegen die Odds und es scheint Sinn zu machen. :)
Deshabl ist er auch in Omaha so gut, denn da geht es vor allem um Draws und die muss man hyperagressiv spielen, entgegen der landläufigen Meinung.

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Beitragvon Teute78 » Montag 16. März 2009, 19:53

Dwan ist broke... :lol:


Auf dem Limits ist auch nichts mehr mit ABC-36%-Poker... Die denken auf einem anderen Level. Stichwort Metagame. Du hast also mit vielem Recht was Du da schreibst. Mach aber nicht den Fehler es auf Lowlimits zu übertragen.
Wenn man ein Level über seinem Gegner nennt, kann man sich nämlich auch selbst schlagen. Ich erwische mich in letzter Zeit sehr oft dabei, den Leuten viel zu viel Credit zu geben.
"Freiheit schützt man nicht, indem man sie abschafft"

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Beitragvon boon09 » Dienstag 17. März 2009, 15:44

doyle hat schon recht, er sagt ja, dass man je besser die spieler werden umso mehr "werkzeuge" hat man selbst.
ich glaube, dass ich auch zu oft um die ecke denke bei meinen krüppellimits, die leute zocken da einfach nur vor sich hin

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Beitragvon ThomasPol » Montag 23. März 2009, 22:01

very very nice beitrag ... :top:

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